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Samstag, 15. August 2026

📰 Ein ETF für Jahrzehnte – zehn Monate später


📰 Ein ETF für Jahrzehnte – zehn Monate später

Der Denker vom Mekong über Geduld, verpasste Chancen und die Kunst, einen guten Plan zu verbessern

Ban Phaeng am Mekong – 15. August 2026

Zehn Monate sind an der Börse kein Zeitalter. Aber sie reichen aus, um zu erkennen, ob eine Strategie tatsächlich funktioniert – oder nur auf dem Papier besonders klug aussieht.

Am 19. Oktober 2025 entstand das Projekt VGER 2032. Der "damalige Beitrag „Ein ETF für Jahrzehnte“" (https://nakhon-phanom.blogspot.com/2025/10/ein-etf-fur-jahrzehnte.html) beschrieb den Vanguard Germany All Cap UCITS ETF als langfristigen deutschen Aktienbaustein für den Ruhestand.

Kein hektischer Sparplan. Kein Kauf aus Angst, etwas zu verpassen. Stattdessen sollten klare Abstauberlimits dafür sorgen, dass erst dann gekauft wird, wenn andere Anleger nervös werden.

Der Plan war diszipliniert.

Doch zehn Monate später muss der Denker vom Mekong ehrlich feststellen:

Er war zu starr.

🧭 I. Fünf Teller – aber nur eine Stimme

Die Hüterin bleibt an seiner Seite. Sie gibt keine Kaufempfehlungen und berechnet keine Kursziele. Ihre Aufgabe ist eine andere: Sie wacht über Anstand, Moral und Ethik. Sie greift ein, sobald aus einer Möglichkeit ein Versprechen, aus Hoffnung angebliche Gewissheit oder aus einer guten Geschichte eine Täuschung wird.

Die Zahlen liegen auf dem Tisch.

Und plötzlich wird es still.

Denn seit dem 19. Oktober 2025 wurde keine einzige der vorgesehenen Kaufstufen erreicht.

Wir hätten bis heute keinen einzigen Anteil im Depot.

📊 II. Was tatsächlich geschah

Der ursprüngliche Referenzkurs betrug 34,00 €.

Die erste Kaufstufe lag bei 30,60 € – einem Rückgang von 10 %.

Doch der niedrigste Xetra-Kurs innerhalb der vergangenen zwölf Monate lag bei ungefähr 31,24 €. Der ETF fiel damit vom damaligen Referenzkurs nur um rund 8,1 %.

Unser erstes Limit wurde um lediglich 0,64 € verfehlt.

An der Börse ist „fast erreicht“ jedoch dasselbe wie „nicht erreicht“.

Ein Limit bei 30,60 € wird nicht ausgeführt, wenn der Kurs bei 31,24 € dreht. Die ursprüngliche Staffel hätte deshalb bis heute keinen einzigen Anteil gekauft.

Am 14. August 2026 notierte der ETF bei rund 36,49 €. Gegenüber dem damaligen Referenzkurs von 34,00 € entspricht das einem Kursanstieg von ungefähr 7,3 %.

Die aktuellen und historischen Notierungen können über die "Kursseite des Vanguard Germany All Cap bei Yahoo Finance" (https://finance.yahoo.com/quote/VGER.DE/) nachvollzogen werden.

Hinzu kamen seit Veröffentlichung des ursprünglichen Beitrags Ausschüttungen von insgesamt rund 0,785 € je Anteil:


- Dezember 2025: 0,0320 €

- März 2026: 0,0941 €

- Juni 2026: 0,6592 €

Wer beim damaligen Referenzkurs investiert gewesen wäre, hätte einschließlich dieser Ausschüttungen bis heute rechnerisch einen Bruttoertrag von ungefähr 9,6 % erzielt – vor Steuern und Handelskosten sowie ohne Wiederanlage der Ausschüttungen.

Unser tatsächlicher Ertrag betrug hingegen 0 %.


Nicht weil der ETF schlecht lief.

Sondern weil unser System keinen Einstieg zuließ.

📈 III. Die stille Macht des Vanguard Germany All Cap

Der "Vanguard Germany All Cap UCITS ETF" (https://www.vanguard.co.uk/professional/product/etf/equity/9688/germany-all-cap-ucits-etf-eur-distributing) mit der ISIN IE00BG143G97 und der WKN A2JF6S bleibt ein bemerkenswert günstiges Anlageinstrument.

Er investiert physisch in rund 146 deutsche Unternehmen und bildet große, mittlere und kleinere Gesellschaften ab.

Seine wichtigsten Merkmale:

- rund 146 deutsche Unternehmen

- vollständige physische Nachbildung

- quartalsweise Ausschüttungen

- laufende Kosten von nur 0,07 % pro Jahr

- Fondsvermögen von rund 258 Millionen Euro

- Auflegung am 17. Juli 2018

- Risikoklasse 6 von 7

„All Cap“ darf allerdings nicht mit einer gleichmäßigen Verteilung verwechselt werden.


Die größten Positionen waren zuletzt:


- Siemens: rund 11,4 %

- Allianz: rund 9,0 %

- SAP: rund 8,9 %

- Siemens Energy: rund 6,1 %

- Deutsche Telekom: rund 5,0 %

- Infineon: rund 4,4 %

- Münchener Rück: rund 3,7 %

- Deutsche Bank: rund 3,0 %

- DHL Group: rund 2,9 %

- Rheinmetall: rund 2,9 %

Die zehn größten Unternehmen stellen zusammen deutlich mehr als die Hälfte des Fondsvermögens.

Auch bei den Branchen ist eine klare Konzentration erkennbar:

- Industrie: rund 31 %

- Finanzunternehmen: rund 22 %

- Technologie: rund 15 %

Das ist kein defensiver Sicherheitsbaustein.

Es ist ein konzentriertes Investment in die deutsche Volkswirtschaft – mit allen Chancen und allen strukturellen Problemen des Landes.


🔍 IV. Der Prüfstein:

Die ursprüngliche Geschichte enthielt richtige Gedanken, aber auch zu große Versprechen.

1. Der ETF ist nicht automatisch inflationsgeschützt

Aktien verbriefen Eigentum an produktiven Unternehmen. Unternehmen können steigende Kosten teilweise über höhere Preise an ihre Kunden weitergeben.

Langfristig besteht deshalb eine vernünftige Chance, die Inflation zu übertreffen.

Kurz- und mittelfristig können Inflation, hohe Energiepreise, steigende Löhne, höhere Zinsen und schwache Exporte deutsche Unternehmen jedoch erheblich belasten.

Der ETF ist somit kein Inflationsschutzschild.

Er ist eine Beteiligung an Unternehmen, die versuchen müssen, schneller zu wachsen als ihre Kosten.

2. Eine Verdoppelung in sieben Jahren ist möglich – aber nicht planbar

Für eine Verdoppelung innerhalb von sieben Jahren wäre eine durchschnittliche jährliche Rendite von etwa 10,4 % erforderlich.


Das kann gelingen.

Es kann aber ebenso gut zehn, zwölf oder noch mehr Jahre dauern.

Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt 6.000 € benötigt, darf nicht darauf vertrauen, dass aus 3.000 € automatisch 6.000 € werden.

3. Mehr als 10 % Jahresrendite sind kein seriöser Planwert

Eine langfristige Gesamtrendite von mehr als 10 % pro Jahr ist ein günstiges Szenario, kein Anspruch.

Für unsere Planung sollten wir vorsichtiger mit etwa 6 bis 8 % nominaler Jahresrendite rechnen.

Alles darüber ist willkommen.

Aber es darf weder fest eingeplant noch vorzeitig ausgegeben werden.

Die Hüterin blickt auf die alten Versprechen und sagt:

„Hoffnung darf Teil eines Plans sein. Aber sie darf niemals als Gewissheit verkauft werden.“

⚖️ V. Ist der ETF heute noch günstig?

Zum 30. Juni 2026 lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Portfolios bei ungefähr 17,5. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis betrug rund 1,8.

Die Eigenkapitalrendite der enthaltenen Unternehmen lag bei etwa 13,4 %.

Das ist weder ein historisches Schnäppchen noch eine erkennbare Blase.

Der ETF ist gegenwärtig ordentlich bis durchschnittlich bewertet. Gleichzeitig befindet sich sein Kurs nahe dem bisherigen 52-Wochen-Hoch.


Das spricht gegen einen großen Sofortkauf.


Es spricht aber nicht dafür, weitere Jahre vollständig ohne Anteile zu bleiben.


Die Bewertung verlangt Maß – keine Untätigkeit.


📐 VI. Die neue Kunst der Abstauberlimits

Die wichtigste Erkenntnis der vergangenen zehn Monate lautet:

Geduld ist eine Stärke. Eine Strategie, die dauerhaft jeden Einstieg verhindert, ist jedoch keine Geduld mehr, sondern Starrheit.

Deshalb wird der Plan neu aufgebaut.


Als Grundlage dient weiterhin ein maximales Investitionsbudget von 3.500 €.


Die erhofften 6.000 € Marktwert bis 2032 bleiben ein mögliches Ergebnis – aber kein fest eingeplanter Anspruch.


Die neue Kaufstaffel

Kaufstufe| Kursziel| Gewichtung| Betrag

Basisposition jetzt| etwa 36,50 €| 10 %| 350 €

Erster Rücksetzer| 34,00 €| 10 %| 350 €

Normale Korrektur| 32,50 €| 15 %| 525 €

Altes Einstiegslimit| 30,60 €| 20 %| 700 €

Stärkerer Rückgang| 27,20 €| 20 %| 700 €

Bärenmarkt| 23,80 €| 15 %| 525 €

Schwere Krise| 20,40 €| 10 %| 350 €

Gesamt| | 100 %| 3.500 €


Damit verbinden wir zwei Prinzipien:


Wir sichern uns mit einer kleinen Basisposition die Teilnahme an der langfristigen Entwicklung.

Gleichzeitig bleiben 90 % des vorgesehenen Kapitals für bessere Kurse verfügbar.

Wir kaufen heute nicht groß, weil der ETF nahe seinem bisherigen Hoch steht.

Aber wir akzeptieren auch nicht länger das Risiko, im Jahr 2032 noch immer auf den perfekten Rückgang zu warten.


💰 VII. Die Dividendenpyramide – neu gerechnet

Die Ausschüttungsrendite des ETF liegt gegenwärtig grob im Bereich von 2,1 bis 2,2 %.

Bei einem späteren Marktwert von 6.000 € ergäbe das zunächst ungefähr:

- 2,1 % → 126 € brutto pro Jahr

- 2,5 % → 150 € brutto pro Jahr

- 3,0 % → 180 € brutto pro Jahr

- 3,5 % → 210 € brutto pro Jahr


Diese Beträge sind keine Zusagen.

Ausschüttungen können steigen, stagnieren oder gekürzt werden. Gerade bei einem Deutschland-ETF hängen sie stark von Industrie, Banken, Versicherungen und der allgemeinen Konjunktur ab.

Bis 2032 werden sämtliche Ausschüttungen wiederangelegt.

Erst später entscheiden wir, ob sie als Einkommen ausgezahlt oder weiterhin reinvestiert werden.


🔒 VIII. Der richtige Platz im Gesamtvermögen


Der Vanguard Germany All Cap ist kein Ersatz für einen Welt-ETF.

Er ist keine Anleihe.

Er ist kein Notgroschen.

Er ist ein Deutschland-Satellit.

Das ist für unser Depot besonders wichtig, weil bereits direkte deutsche Beteiligungen vorhanden sind – vor allem Allianz.

Jeder Kauf des ETF erhöht indirekt auch den bestehenden Allianz-Anteil. Bei einem Allianz-Gewicht von rund 9 % fließen von 1.000 investierten Euro ungefähr 90 € zusätzlich in Allianz.

Bei einem angestrebten Gesamtvermögen von mindestens 250.000 € im Jahr 2032 wären 6.000 € im Vanguard Germany All Cap ungefähr 2,4 % des Gesamtvermögens.

Diese Größenordnung wäre vertretbar.

Heute wäre eine sofortige Investition von 6.000 € dagegen zu groß und unnötig konzentriert.


Die Position darf wachsen.

Sie darf das Gesamtdepot aber nicht beherrschen.

🔄 IX. Was künftig geprüft wird


Viermal jährlich erfolgt ein kurzer Systemcheck:


- Fondsvolumen und Handelbarkeit

- Kostenquote

- Anzahl und Konzentration der Positionen

- Bewertung des Portfolios

- Ausschüttungsentwicklung

- strukturelle Entwicklung der deutschen Wirtschaft

- Überschneidungen mit vorhandenen Einzelaktien

- Abstand zu den hinterlegten Kauflimits


Die Limits werden nicht automatisch nach oben gezogen, nur weil der Markt steigt.


Sie werden nur verändert, wenn sich Bewertung, Ausschüttungen oder unsere gesamte Vermögensstruktur wesentlich ändern.


Die vorgeschlagene Basisposition ist die einmalige Korrektur eines Konstruktionsfehlers.


Sie ist kein Beginn hektischer Käufe.

🌉 X. Ein besseres Depot wie eine Brücke


Der ursprüngliche Plan wollte eine Brücke bauen, die Jahrzehnte übersteht.

Doch eine Brücke erfüllt ihren Zweck nur, wenn man sie tatsächlich betritt.

Zehn Monate lang standen wir am Ufer und warteten darauf, dass das Wasser exakt 10 % sinkt.

Es sank nur um 8,1 %.

Danach stieg es wieder.

Die Lehre daraus ist nicht, jedem steigenden Kurs hinterherzulaufen.


Die Lehre lautet:

Ein langfristiger Investor braucht einen Fuß im Markt und einen zweiten auf festem Boden.

Eine kleine Basisposition schafft Teilnahme.

Abstauberlimits schaffen Antifragilität.

Liquidität schafft Handlungsfähigkeit.

Klare Obergrenzen schützen vor Selbstüberschätzung.


💡 XI. Die Hüterin wacht

Die Hüterin beurteilt keine Börsenkurse.

Sie entscheidet nicht, ob 36,50 € günstig oder teuer sind.

Sie wacht darüber, dass der Denker seine Leser nicht mit großen Versprechen verführt. Dass Risiken nicht hinter poetischen Bildern verschwinden. Dass aus einer Hoffnung keine Gewissheit gemacht wird.


Sie betrachtet den alten Satz, der ETF werde jedem Sturm standhalten, und erinnert daran:

Auch ein Bambuswald kann beschädigt werden.

Auch Unternehmen können scheitern.

Auch ein breit gestreuter ETF kann zeitweise 30, 40 oder 50 % seines Wertes verlieren.


Das ist keine Schwäche der Strategie.

Aber es wäre unredlich, diese Möglichkeit zu verschweigen.

Die Hüterin sagt:

„Ein anständiger Investor spricht nicht nur über das, was er gewinnen kann. Er spricht ebenso klar über das, was er verlieren könnte.“


Der Denker nickt.

Denn zehn Monate später wissen wir mehr.

Der ETF hat seinen Zweck nicht verloren. Die deutsche Wirtschaft bleibt schwierig, zyklisch und voller Widersprüche.

Aber gerade deshalb ist der breite und kostengünstige Zugang interessanter als die Jagd nach einzelnen vermeintlichen Gewinnern.

Was sich geändert hat, ist nicht das Instrument.

Es ist unser Umgang damit.


🔚 Fazit: Heute handeln – aber nicht jagen

Wir würden heute eine kleine Basisposition von rund 350 € eröffnen.

Nicht weil der ETF gerade billig wäre.

Nicht weil morgen sicher weitere Kursgewinne folgen.


Sondern weil das Ziel ein langfristiger Bestand bis weit über 2032 hinaus ist – und eine reine Abstauberstrategie uns zehn Monate lang vollständig außerhalb des Marktes gehalten hat.

Die übrigen 3.150 € bleiben für wirkliche Rücksetzer reserviert.


So entsteht kein perfektes Portfolio.

Aber ein reales.

Eines, das bereits wächst und gleichzeitig auf Krisen vorbereitet bleibt.

Und während der Mekong den Abendhimmel spiegelt, bleibt ein nüchterner Gedanke zurück:


Geduld bedeutet nicht, niemals zu handeln.

Geduld bedeutet, klein zu beginnen – und groß vorbereitet zu sein.

🔗 Quellen und weiterführende Informationen

- "Offizielle Produktseite des Vanguard Germany All Cap UCITS ETF" (https://www.vanguard.co.uk/professional/product/etf/equity/9688/germany-all-cap-ucits-etf-eur-distributing)

- "Aktuelle und historische Xetra-Kurse bei Yahoo Finance" (https://finance.yahoo.com/quote/VGER.DE/)

- "ETF-Profil bei justETF" (https://www.justetf.com/de/etf-profile.html?isin=IE00BG143G97)

- "Produktseite der Deutschen Börse" (https://live.deutsche-boerse.com/de/etf/vanguard-germany-all-cap-ucits-etf)

- "Der ursprüngliche Beitrag vom 19. Oktober 2025" (https://nakhon-phanom.blogspot.com/2025/10/ein-etf-fur-jahrzehnte.html)

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